Chillhan

Anti

Erstes Wort. Erster Satz. Erster Beitrag.

Die Angst davor, mit etwas Neuem zu beginnen, kommt daher, weil wir alles richtig machen wollen, richtig?

Eigentlich nicht.

Denn eigentlich wollen wir gar nicht alles richtig machen.

Vielmehr wollen wir bloß keine Fehler machen.

Das ist ein Unterschied.

Jeder kennt das. Du gibst dir Mühe bei einer Sache, es kommen Familie, Freunde oder Bekannte daher und sie machen einen auf Fehler aufmerksam: „Bruder, richtig nice. Aber das und das würde ich anders machen“ oder „Yo, nicht böse gemeint, aber das ist nix für dich. Dein Talent liegt sicher wo anders“. Manche sind freundlich und nett, aber andere werden sogar richtig barsch und sagen direkt: „Was ist denn das für ein Scheiß?“ oder „Boah, hast dich aber echt blamiert damit“ usw. Manchmal sind es kleine Fehler, manchmal verheerende.

Manchmal kommt es sogar vor, dass man sich richtig blamiert.

Und das tut weh….

Ich will mich hier auf gar keinen Fall als Profi darstellen und mich als „allwissend“ verkaufen oder so. Aber ich stehe nun seit knapp 5 Jahren auf der Bühne und habe mit meiner Band schon unzählige große und kleine Auftritte hinter mir. Dabei habe ich mich schon so manches Mal hart blamiert, heftige Kritik einstecken müssen und sehr viele Anstrengungen und Anspannungen für meine Kunst in Kauf genommen. Ich musste einiges ausprobieren, verwerfen, neu machen, wieder ausprobieren und wieder neu machen etc. Das ist noch nichts im Vergleich zu dem, was folgen wird. Du kannst mir also glauben, wenn ich sage, dass ich viele – wirklich viele – Schwierigkeiten in Bezug auf „etwas Neues beginnen“, also etwas gänzlich Unbekanntes anzupacken, schon tausend Mal im Kopf durchgekaut habe. Ich kenne jede Ausrede, jede Selbstlüge, jeden Zweifel und jedes Katastrophen-Szenario, das man sich im Kopf ausmalt, wenn man ans Scheitern denkt.

Ich habe irgendwann nach dem Abitur damit begonnen, Songs an der Gitarre zu schreiben. Irgendwann bin ich damit auf die Bühne. Ich konnte keinen Ton singen, nicht ein einziges Mal war ich im Takt und von den Skills an der Gitarre will ich erst gar nicht anfangen (Ich meine das jetzt ernst: Ich konnte GAR NIX, null! xD). Meine Bandkollegen Don Jahin und Rager the Rager machen in ihrer WG gemütliche Video-Abende, bei denen sie die alten Aufnahmen von mir angucken und sich darüber totlachen, wie ich damals drauf war.

Ja, manchmal lache ich sogar mit 😀

An dieser Stelle wirst du vielleicht denken: Och, Chillhan, willst du jetzt auch so einen Motivations-Blog aufmachen und die ganze Zeit Messages wie „Du packst das!“, „Lebe deinen Traum“ und „Du musst nur an dich glauben!“ raushauen?

 

Motivation oder was?
Bild aus: http://www.fid-gesundheitswissen.de/sportmedizin/motivation-steigern-sie-in-3-schritten-ihre-innere-antriebskraft/

 

Keine Sorge. Genau das will ich nämlich NICHT! Nichts liegt mir ferner, als ein Konzept, das es schon gibt, eine Idee, die bereits funktioniert oder eine Attitüde, die bei Leuten zieht, nachzuahmen und wiederzukäuen.

Meine bescheidene Erfahrung zeigt, dass die Angst davor, mit etwas ganz Neuem zu beginnen eigentlich nur die Angst ist, dass andere schlecht von einem denken könnten.

Man hat also Angst, nicht gut genug zu sein, keine gute Leistung abliefern zu können und so die Erwartungen anderer zu enttäuschen. Aus diesem Grund sind viele sehr zögerlich, wenn sie einen neuen Weg einschlagen wollen oder ein neues Projekt anpeilen. Sie zerbrechen sich die ganze Zeit den Kopf damit, was denn nun das perfekte Konzept wäre, mit welcher Taktik man am schnellsten zum Erfolg kommt, wie man am meisten Leute erreicht, welche inhaltliche Ausrichtung am ehesten zu einem passt bla, bla, bla.

Der eine oder andere weiß es ja: Wir bezeichnen unsere Musik als „Akustik Crossover“.

Es kamen nach den Gigs unendlich viele Leute auf mich zu, die begeistert waren, aber uns nicht einordnen konnten: „Ey, das ist doch Rap? Klingt echt lustig. Ein bisschen sowie die Orsons“. Ein anderer sagte: „Boah, ist ja Mal voll gefühlvoll. Erinnert mich an Ed Sheeran“. Wiederum andere meinten: „Junge, Junge. Das ist Zerfickung pur! Ihr seid ja so verrückt drauf wie System of a Down!“. Wir haben schon alle möglichen Vergleiche wie z.B. zu den Ohrbooten, zu Chefket, Ok Kid oder SDP gehört.

Ich stelle immer wieder erstaunt fest, wie unterschiedlich die Wahrnehmung unserer Musik, ja unseres Wesens ist.

Exakt an diesen Punkt will ich mit diesem Blog anknüpfen.

Das hier ist mein allererster Beitrag. Auch ich habe mir schon viel zu lange überlegt, wie ich das angehen soll. Welche Strategie muss ich fahren, um meine Intention klarzumachen? Welches Konzept muss der Blog haben? Welche Themen soll ich ansprechen? Wie erreiche ich am schnellsten eine große Reichweite?  Soll ich kompliziert oder eher einfach schreiben? Und wie bringe ich das mit kopfundherz in Einklang? Ich habe mir erfolgreiche Blogs durchgelesen und mir Vlogs von beliebten YouTubern reingezogen . Ich habe mich sogar mit Marktanalysen beschäftigt, die Internetphänomene nach ihrer soziologischen Aussagekraft untersuchen und sich dabei fragen, wie man sein Produkt erfolgreich im Netz platziert.

Also nicht falsch verstehen: Ich würde lügen, wenn ich sage, dass mir alles egal ist.

Doch ich sage auch, dass wenn man einen langen und vor allem seinen EIGENEN Weg geht, es einem egal sein sollte, was die anderen denken.

Es war ein komplizierter Prozess voller Ups and Downs, bis ich etwas im Grunde sehr einfaches wirklich verstanden habe: Man sollte sich aufs Positive fokussieren, also auf die Dinge, die man kann und die für einen funktionieren. Genau das stellt sich mit der Zeit heraus.

Man muss nur einfach weitermachen und darf den Glauben an die eigene Sache nicht verlieren.

So.

Was bedeutet das also für meinen Blog?

Für mein Vorgehen habe ich mir die Überschrift „Praktizierte Intuition“ gegeben.

Ich werde also einfach machen, wie es mir passt und was ich für richtig halte.

Das hier ist mein erster Beitrag.

Und der letzte politisch korrekte.

Ich muss leider jeden enttäuschen, der mein Engagement und künstlerisches Schaffen in eine Schublade stecken möchte. Denn ich werde in meinem Kopf ganz gezielt keine Kompromisse eingehen oder mich auf irgendeine Art bremsen.

Ich werde absichtlich keine Rücksicht auf eine aktuelle Mode oder einen gegenwärtigen Hype nehmen. Keine Strömung, keine Nische, keine Gruppe oder Einzelperson wird in meinem Kopf auf irgendeine Weise verschont werden. Und ich werde hier alles auf Papier bringen, was in meinem Kopf abgeht.

Das hier wird ein Massaker.

Super Saiyajin.
Bild aus: http://www.shenhuifu.org/2015/03/25/dragon-ball-z-how-can-i-transform-myself-into-a-super-saiyajin/

 

Denn gute Kunst ist freie Kunst. Und frei ist, wer sich frei macht.

Nach ein paar Beiträgen kann es durchaus passieren, dass Du meinst, eine bestimmte Stoßrichtung erkennen zu können. Dann denkst Du vielleicht Mal:

„Oh, er ist politisch eher links“ oder „Ah, er vertritt also diese Meinung. Kenn‘ ich.“

Mach‘ das bitte nicht. Du wirst bitter enttäuscht sein. Denn ich stehe mit meiner Meinung nirgends und überall. Ich vertrete nur mich und das, was ich erschaffen habe: Nämlich meine Kunst.

Sonst gar nix. Der Zeitgeist ist mir völlig egal.

Manchmal schreibe ich simpel und für alle verständlich (sowie jetzt).

Doch manchmal wird es kompliziert.

Manchmal benutze ich Slang-Begriffe, manchmal Fachbegriffe.

Hier und da wird die Ausdrucksweise vulgär und aggressiv, doch oftmals auch sehr eloquent und stilvoll. Es wird turbulent und laut. Sehr oft wird es aber auch liebevoll und harmonisch.

Wem das alles zu weit geht, zu arrogant, zu anti, zu hart oder schlicht zu viel ist:

Leser springen ab und viele neue kommen dazu.

Niemand wird zu irgendetwas gezwungen.

Doch wer sowie ich Anregendes aus allem zieht und versucht, immer die Fassade zu hinterfragen, der ist herzlich eingeladen, mit mir nachzudenken.

Das hier wird eine Reise durchs Chaos. Vielleicht finde ich eine Ordnung. Vielleicht muss ich es auch gar nicht. Doch es wird auf jeden Fall Anti.

Willkommen in mein Blog.

 

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