Chillhan

Fastfood Meinung

Ein Plädoyer zum Heilfasten

Smartphones, Facebook, Instagram, Live-Ticker und überall Werbung:
Das Leben wird immer schneller…. und oberflächlicher. Das ist keine Nostalgie im Sinne von:
„Ach, früher war alles besser“. Mich interessiert das „früher“ gar nicht. Es geht um das JETZT.
Momentan ist zu beobachten, dass gerade junge Menschen – also Jungs und Mädels in meinem Alter
etwa – sich sehr schnell eine Meinung zu etwas bilden.
Das ist auch nachvollziehbar. Denn schließlich leben wir in einer Zeit, in der die Zeit nur so rast.
Live-Ticker hier, Twitter da, immer wieder heikle News zu politisch-brisanten Phänomenen. Erst
wird Donald Trump Präsident, dann gewinnt Erdogan das Referendum, plötzlich ist Marine LePen
an der Tagesordnung, dann wieder nicht.
Scrollt man seine Facebook-Timeline runter, äußern sich alle möglichen Menschen über alle
möglichen Themen: Mir springen dabei oft schlaue Zitate ins Auge, die mit Fotos von schlauen,
toten Menschen wie Einstein oder Gandhi unterlegt sind.
Meinung wird also extrem schnell gebildet und noch schneller geäußert. Man muss sich nur die
YouTube- oder Facebook-Kommentarspalten anschauen, um zu sehen, wie viele rechtsradikale
Idioten sich auf der Welt – sogar hier in Deutschland – herumtreiben.
Menschen meiner Generation können sich fast ausschließlich nur noch auf kurze Texte
konzentrieren, kaum einer gönnt sich noch freiwillig ein Buch, das sich sachlich und fundiert mit
einem bestimmten Thema auseinandersetzt. Wie denn auch? Der Tag ist komplett durchgetaktet.
Acht Stunden Arbeit, Sport, auf gesunde Ernährung achten, die neuesten News verfolgen… Aber
sich zu lange mit den Ursachen und Folgen der Globalisierung, den Zusammenhängen
internationaler Finanzmärkte oder militärischer Interventionen der NATO auseinandersetzen?
Keine Zeit.
Verständlich.
Das ist die Tendenz der „Generation Fastfood-Meinung“, wie ich sie nenne.
Schnelle und oberflächliche Meinungsbildung; vorwiegend geäußert auf social media wie Facebook
oder Twitter.
Was ist die Folge?
1. Die Fronten verhärten sich.
2. Man wechselt oft die Positionen.
Das erste gefährdet unsere Toleranz, das zweite ist ein Zeichen unserer Beeinflussbarkeit, ja
sogar Manipulierbarkeit.
Wann diese schnelle Meinungsbildung im und durch das Internet gefährlich wird, sieht man an dem
rasanten Erfolg politisch rechter Bewegungen. Viele Wechselwähler, die vorher noch links gewählt
haben, sind plötzlich auf der Seite der AfD. Und noch viel gefährlicher ist, dass sie auf die Affekte
der rechten Hetze tatsächlich reinfallen.
Doch das Internet bietet auch eine Chance. Meiner Meinung nach ist das Internet erst einmal ein
neutraler Raum. Es ist eine bahnbrechende Erfindung, die in ihrer gesellschaftlich revolutionären
Schlagkraft vergleichbar ist mit den Erfindungen der industriellen Revolution (ich denke da an die
„Spinning Jenny“, der Dampfmaschine und an die Einführung des Fließbandes usw.).
Das Internet kann positiv wie negativ genutzt werden.
Da ich Zweckoptimist bin, sehe ich darin ein enormes Potenzial für die Entwicklung alternativer,
unabhängiger Plattformen, die eine relevante Reichweite generieren können. Teilweise lösen sie
sogar die etablierten und verkrusteten Strukturen aus Fernsehen und Printmedien ab.
Und das ist gut, da in eben diesen alten Kanälen wie z.B. im Fernsehen eine massive Einflussnahme
auf das Bewusstsein der Menschen stattfindet, der man sich bisher nicht entziehen konnte. Es gab ja
nur diese paar Fernsehsender und diese paar Zeitungen. Aber das Internet ist um ein Vielfaches
größer.
Ich plädiere hier für eine etwas andere Art des Heilfastens.
Was meine ich damit?
Stell‘ dir vor, du entziehst dich dem sozialen Druck, immer auf dem neusten Stand der Dinge sein zu
müssen. Angenommen, dir ist es egal, dass deine Freunde alle sofort eine Meinung zur neuesten
Schlagzeile haben und über das aktuell brisanteste Thema super genau Bescheid wissen.
Kurz: Du stopfst einfach keine Fastfood-Meinung mehr in dich rein.
Ich für meinen Teil gebe mein Bestes, mich mit Themen langfristig und möglichst tiefgründig zu
beschäftigen.
Ein kleines Beispiel:
Donald Trump wurde neuer US-Präsident. In den Medien findet ein Bashing und eine
Negativkampagne sondergleichen statt. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben, berechtigt
oder unberechtigt sein.

Bild aus: http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-und-die-usa-wenn-demokratien-kippen-kommentar-a- 1133439.html

 

Hier kommt das Heilfasten ins Spiel:
Ist es jetzt nicht interessanter, sich der Mainstream-Meinung zu entziehen und beispielsweise zu
untersuchen, ob Barack Obamas Politik genauso, wenn nicht sogar noch verwerflicher war?
Warum ist der eine gut, der andere schlecht? Nur, weil er schwarz ist?
Dazu müsste man sich aber dem Wettlauf um das neueste Update der Tagesnachrichten ein Stück
weit entziehen. Man muss sich Zeit nehmen, um möglichst differenziert über ein bestimmtes Thema
nachzudenken, um in der Summe erahnen zu können, was wahr ist und was falsch.
Klingt sehr anstrengend oder?
Ist es eigentlich nicht. Aber nur, wenn man Prioritäten setzt.
Das ist wie mit Sport. Um zu einem bestimmten Niveau zu kommen, muss man regelmäßig und
langfristig trainieren. Dafür braucht es Fokus und Disziplin. Man muss hin – und wieder Mal den
Freunden absagen, wenn sie dich fragen, ob du mit ihnen feiern gehen willst.
Man muss auf die Ernährungsweise achten und kein Fastfood mehr essen.
Nun, hier geht es aber nicht um Sport. Hier geht es um die Wahrheit.
Und die Wahrheit ist kein Trainingsziel.
Sondern die riesige Aufgabe, sie ständig zu suchen.
Ich denke, die Wahrheit hat unsere Anstrengung verdient.
Also, Schluss mit Fastfood-Meinung 😉

 

Bild aus: http://www.thatsnerdalicious.com/food-porn/the-extreme-burger-lunch-time/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.