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Geh wählen, aber wähle dich selbst

Die Bundestagswahlen stehen vor der Tür und klopfen an:
„Geh‘ wählen!“ ist die Message.
Denn Wahlen seien wichtig für eine Demokratie, da sie eine Möglichkeit darstellen würden, politischen Einfluss auszuüben. Die Parteien werben mit ihren Programmen und stellen ihre Konzepte vor, wie sie die Gesellschaft gestalten wollen. Und wir müssten sie wählen, damit unsere Interessen vertreten werden können.

(Bild aus: http://tobesocial.de/sites/default/files/blogimages/logos.jpg)

 

Doch werden unsere Interessen wirklich vertreten? Bereits die alten Griechen definierten Demokratie als eine Gesellschaftsordnung, in der sich die Interessen der Mehrheit durchsetzten. Die Parteien aber, die wir alle gewählt haben, sind verantwortlich für sinkende Löhne, kürzen seit Jahren die sozialen Leistungen und beteiligen Deutschland an vielen Kriegen dieser Welt. Setzen sich so die Interessen der Mehrheit durch? Leben wir also in einer Demokratie? Eine gesunde Demokratie baut darauf auf, dass ihre Bürger mündig sind. D.h. der Einzelne muss in der Lage sein, kritisch über sich, die Welt und das Verhältnis von sich zur Welt nachzudenken. Nur so kann er seine Interessen adäquat formulieren und sie z.B. durch eine Wahl äußern. Man muss also ein gesellschaftliches Bewusstsein schaffen, damit eine Demokratie funktioniert. Ein kleines Beispiel: 

Wenn ich als kleiner Junge mit meinen Eltern in die Türkei gefahren bin, um Urlaub zu machen, ist mir immer wieder aufgefallen, wie die Leute ihren Müll einfach auf die Straße geworfen haben. Ich habe sogar welche gesehen, die volle Müllsäcke ohne mit der Wimper zu zucken in ein wunderschönes Waldgebiet geschleudert haben. Und das kam sehr häufig vor. D.h. den Leuten fehlt es am Bewusstsein, wie wichtig es ist, im Einklang mit der Natur zu leben. Wir haben nur diese Erde und sie ist unsere Existenzgrundlage, unser Zuhause. Deswegen müssen wir sie mit Respekt behandeln. Das ist sich der Typ in der Türkei, der seinen Müll in die freie Natur abwirft, nicht bewusst.

Doch genau das muss man ihm klar machen bzw. muss er sich dessen selber klar werden.Genauso wie ein Puzzlebild die Summe seiner Teile ist, ist die Gesellschaft die Gesamtheit ihrer Mitglieder. Eine Demokratie lebt von ihren Bürgern, die interessiert daran sind, diese mitzugestalten und ständig zu verändern. Aber wer sich beschwert, dass die Parteien, die er gewählt hat, wieder Mist gebaut haben, ist selbst Teil des Problems. Dass „die da oben“ Mist bauen, ist uns doch hinlänglich bekannt. Seit Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts den Buchdruck erfunden hat, steht doch überall geschrieben, was „die da oben“ machen. Täglich können wir in tausend Zeitungsartikeln nachlesen, dass „die da oben“ die kleinen Leute ausbeuten, Kriege führen und unsere Natur kaputt machen. Denn nach der Wahl ist vor der Wahl. Das war schon immer so. Ich könnte hundert Songs schreiben, worin ich erzähle, wann die da oben Mal wieder ihre Wahlversprechen gebrochen haben.

Aber was ist unser Anteil an dem Elend? Wie oft haben wir denn unser eigenes Versprechen gebrochen, ein besserer Mensch zu werden?

Denn es geht immer um uns. Und wenn wir uns ändern, ändern wir andere.

Die Sklaverei wurde nicht abgeschafft, weil ein Abraham Lincoln das so wollte. Die Unterdrückten haben für sich und ihre Rechte gekämpft und zwar so lange, bis die Abschaffung der Sklaverei eine konsequente Folge davon war. Die Berliner Mauer ist nicht gefallen, weil Helmut Kohl und Konsorten das so wollten, sondern weil hunderttausende Menschen auf die Straßen gegangen sind und sich für die Freiheit stark gemacht haben. Genauso werden Schulz, Merkel, Gabriel und wie sie alle heißen auch nicht aufhören, zusammen mit den anderen NATO-Mächten Rohstoffkriege zu führen, wenn wir nicht bei uns selbst ansetzen. Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch ich werde wählen gehen. Die meisten, die mich kennen, wissen sicherlich auch wen.

 

(Bild aus: http://www.abendzeitung-muenchen.de/media.media.ae8f0ee7-0db7-4c46-b98a-fd1a8639e026.original1024.jpg)

 

Doch ob Wähler, Nichtwähler oder jemand, der eine Splitterpartei wählt – für alle gilt dasselbe: Wenn es einem wichtig ist, wo wir als Gesellschaft hinsteuern, dann sollte man aktiv werden. Dabei ist es irrelevant, ob man Wähler oder Nichtwähler ist. Denn die Frage, in was für einer Welt unsere Enkelkinder einmal leben sollen, wird nicht mit einem Kreuz bei der Bundestagswahl entschieden. Das Entscheidende ist, was man in der restlichen zur Verfügung stehenden Zeit tut. Wer sich leidenschaftlich für etwas einsetzt und für eine Sache brennt, wird zwangsläufig andere inspirieren und bewegen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Du möchtest dich für Ökologie und Nachhaltigkeit stark machen? Dann überlege dir wie. Finde einen Weg und mach das. Natürlich kannst du Nestlé und Monsanto nicht direkt verändern. Aber beteilige dich beispielsweise bei einer Bewegung für dezentrales Wirtschaften oder gründe eine Initiative für urbanes Anbauen oder iss kein Fleisch oder werde Gärtner. Wenn wir von anderen erwarten, dass sie es für uns richten, werden wir verlieren. Aus diesem Grund wird bei dieser Wahl jeder verlieren, der tatsächlich glaubt, dass sie einen Unterschied macht. Die da oben werden es nicht richten. Aber wir könnten es richten. Also geh‘ wählen. Aber wähle dich selbst.

2 Gedanken zu „Geh wählen, aber wähle dich selbst

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