Chillhan

(Straßen-)Mukke oder Tod

 

Jeder kennt diese Leute.

Sie begegnen Dir auf der Fußgängerzone und wollen Dir etwas verkaufen oder darbieten.

Mal wirken sie seriös und jung, manchmal sind sie sehr seltsam und hin – und wieder sogar ziemlich kreativ.

Doch leider kommen sie sehr oft im völlig falschen Moment auf einen zu.

Hier sind drei kleine Beispiele, die jeder kennt.

  1. Info-Stände von wohltätigen Organisationen

In Stuttgart sehe ich immer öfter Info-Stände von wohltätigen Organisationen wie Amnesty International, Greenpeace oder Ärzte ohne Grenzen, wo junge Menschen Passanten ansprechen, um sie zu einer Spende oder Unterschrift zu bewegen. Sie sind meistens sehr freundlich und wirken hochmotiviert (kein Wunder, denn diese jungen Leute sind oft Studenten oder Azubis, die dafür bezahlt werden, für diese Organisationen Werbung zu machen).

  1. Religiöse Straßen-Missionare

Mich persönlich nerven vor allem diese religiös motivierten Missionare, die einem die Bibel oder den Koran andrehen möchten. Die Jesus-Freaks unter ihnen stellen sich oft auf eine kleine Leiter und halten lauthals Reden darüber, dass der Herr wiederauferstanden sei und eines Tages wiederkomme. Natürlich läuft man da weiter. Aber ich als Atheist bin in Sachen Wiederauferstehung generell etwas fantasielos. Die Moslems wiederum haben standardmäßig lange Bärte und verschenken an ihren Info-Ständen deutsche Übersetzungen des Koran. Eine Frau habe ich bisher noch nie an diesen Ständen gesehen. Aber da kann es sein, dass meine Hormone mit mir durchgehen…

  1. Straßenkünstler

Die vielen Straßenkünstler finde ich in den allermeisten Fällen uninteressant – ob Musiker, Jongleure oder Breakdancer: Das ist alles zu viel Klischee. Die Musiker beispielsweise sind sehr oft sehr gleich – sie alle covern die ausgelutschtesten Lieder an der Gitarre, ob Ed Sheeran oder Jason Mraz.

Ich weiß, dass es sehr vielen Menschen genauso geht wie mir, wenn ich an diesen Straßenverkäufern, Straßenkünstlern oder religiösen Missionaren vorbeilaufe.

Man will halt einfach schnell weiter.

 

Die Frage ist aber:

Warum?

Warum ziehe ich den Kopf ein, hoffe, dass mich keiner anspricht und eile weiter?

 

Das hat natürlich unterschiedliche Gründe.

Entweder ist man gerade beim Einkaufen und möchte seine Shopping-Tour nicht unnötig unterbrechen. Oder aber man hat einen dringenden Termin und deswegen keine Zeit, stehenzubleiben. Es kann aber auch sein, dass einem diese Leute schlicht und ergreifend auf die Nerven gehen.

Auch wir von kopfundherz haben schon sehr oft Musik auf der Straße gemacht und interessierten Passanten unsere CDs verkauft. Seit drei Jahren gehen wir sogar regelmäßig auf Straßenmusik-Tour und sind in mehreren Städten unterwegs.

Unsere Erfahrung zeigt eines ganz deutlich:

Es ist ganz egal, wie beschäftigt die Leute sind, wie eilig sie es haben oder wie voreingenommen sie auch sein mögen….

Deine Darbietung auf der Straße muss einfach so beeindruckend sein, dass keiner mehr vorbeilaufen KANN.

Bei unserer Musik haben sich schon sehr oft große Menschen-Ansammlungen gebildet, obwohl wir ohne Mikrofon, Verstärker oder Anlage performt haben.

Die Menschen spüren dabei zwei Dinge:

Erstens spüren sie, dass es ECHT ist.

Sie sehen und hören, wie ernst wir das meinen. Jedes Wort, was wir sagen und jeden Ton, den wir spielen, kommt aus dem Herzen und geht direkt in die Herzen der Zuhörer.

Zweitens spüren sie, dass es EINZIGARTIG ist.

Wir reproduzieren kein Klischee und kein Bild, das es schon einmal gab.

Es ist ein einmaliges Erlebnis, was man so schnell nicht wieder vergisst. Und dafür sind die Leute auch bereit, ihre Shopping-Tour oder ihren wichtigen Termin für einen Augenblick zu unterbrechen.

Immer wenn ich durch die Fußgängerzone einer Stadt laufe, wünsche ich mir eine Band wie kopfundherz.

Straßenmukke oder Tod.© Brownshootta

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