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Talent – dein Freund und Helfer

Ich bin (noch) kein erfolgreicher Profimusiker. Doch letztens hatte ich mit den Jungs meinen

hundertsten Auftritt auf der Bühne. Das ist gemessen an dem, was wir noch erreichen wollen, ein

Furz gegen den Wind. Aber wenn ich berücksichtige, dass wir parallel zur Musik studieren, arbeiten

und zudem noch die gängigen Verpflichtungen und Verantwortungen wie z.B. Familie, Freunde etc.

wahrnehmen, bin ich stolz auf unsere Arbeit mit kopfundherz.

Doch wie hat die Reise begonnen, die unglaubliche Wendungen und Überraschungen mit sich

gebracht hat und noch mit sich bringen wird?

Ich will auf einen für mich sehr wichtigen Aspekt eingehen.

Talent.

(Quelle: http://bbfun.de/wp-content/uploads/2016/03/Das-Supertalent-2016-750×408.jpg)

 

 

Als ich damit begann, eigene Songs an der Gitarre zu schreiben und sie auf der Bühne zu spielen,

habe ich sehr viel gezweifelt. Ich war extrem unzufrieden mit meiner Stimme und gesanglichen

Leistung. Viel zu oft habe ich den Takt nicht einhalten können und die Töne nicht getroffen. Ich

habe mich mit Menschen verglichen, die eine tolle Stimme hatten, super singen konnten und zudem

noch jünger waren als ich. Die Fragen, die ich damals immer wieder an mich stellte, waren:

Bist du für eine musikalische Laufbahn überhaupt „gemacht“?

Hast du eigentlich genug TALENT, um als Musiker erfolgreich zu werden?

Guck Mal XY an… der hat das doch im Blut – kein Wunder spielt er mit 21 schon auf großen

Festivalbühnen.

Doch kam Zeit, kam Rat. Im Nachhinein ist man wie immer schlauer, weswegen ich die Thematik

heute ganz nüchtern analysieren kann.

Sagen wir einmal, Talent ist eine Gabe und sozusagen „gottgegeben“. Man hat also eine

Veranlagung bzw. Affinität zu einer bestimmten Sache und „kann’s einfach“.

 

So z.B. ein 12 jähriges Mädchen, das bei „Das Supertalent“ singen kann wie ein junger Gott – ohne

jahrelanges Training, einfach so.

Wenn wir Talent auf diese Weise definieren, kann ich klar sagen, was MEIN Talent ist.

Es sind zwei Sachen, die ich „einfach so“ kann:

  1. Ich bin ein sehr präsenter Typ – ob auf der Bühne, in einer Gruppe oder im persönlichen Gespräch. Bereits in der Grundschule war ich extrovertiert, hatte eine extrem große Schnauze und war sehr aufmüpfig gegenüber Lehrern.
  2. Ich kann gut mit Wörtern umgehen – ob in Songs, wenn ich schreibe oder vor Menschen rede. Auch das habe ich mir nicht ausgesucht. Das war immer schon meine Stärke.

 

Doch nun hatte ich mich in die Musik verliebt und mir wurden auch meine Schwächen bewusst, die

mich oft an den Rand des Wahnsinns brachten:

  1. Ich treffe den Takt nicht.
  2. Ich treffe die Töne nicht.
  3. Ich zweifle massiv an dem guten Klang meiner Stimme.

Heute kommen nach dem Konzert ständig Leute auf mich zu und sagen so etwas wie:

„Du hast echt extrem gute Songtexte. Krasse Wortspiele! Sehr inspirierend,“ und: „Du hast eine

Bomben-Stimme. Du kannst echt gut singen und flowen!“

Was denkst Du, was von beidem mir mehr bedeutet bzw. überhaupt etwas bedeutet?

Drei Mal darfst Du raten…. Richtig.

Denn das eine ist ein Talent und ist mir zugeflogen. Über die Zeit hat es sich dann automatisch

perfektioniert. Aber das andere ist das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit und ständiger Bereitschaft

zu Disziplin und Fleiß.

Ich will jetzt nicht auf amerikanischen Motivationscoach machen und sagen: Talent bedeutet gar

nichts, Willenskraft und Motivation sind alles. Aber es schlägt doch schon in diese Kerbe…

 

 

(Quelle: https://images.vice.com/vice/images/articles/meta/2014/02/13/the-wolf-of-wallstreet-hat-mich-nicht-zum-koksenden-arschloch-gemacht-1413262002967.jpeg?crop=0.8634920634920635xw%3A1xh%3Bcenter%2Ccenter&resize=1050 )
 
 

Es ist klar zu beobachten, dass diejenigen, die aufgrund ihrer Begabung den Weg zum Erfolg

irgendwie gefunden haben, sich in den allermeisten Fällen nicht halten können.

Natürlich kommen Erfolgserlebnisse bei sogenannten Talenten viel schneller– vor allem am

Anfang. Schließlich sind sie ja Talente und wahre Könner in ihrem Bereich. Wenn diese Leute dann

noch mit Freude ihrer Sache nachgehen, kommt alles automatisch.

Eigentlich ganz einfach, oder?

Verfolge deine Leidenschaft, erkenne dein Talent darin und die Sache ist geritzt.

Leider ist das zu kurz gedacht…

Denn diese „Talente“ haben oft die Eigenschaft, sich auf ihrer Begabung auszuruhen.

Das hat einen einfachen Grund: In den meisten Fällen lief es für sie ziemlich schnell ziemlich gut.

Doch sehr oft fehlt es ihnen an der Erfahrung, jahrelang hart für sein Ziel gearbeitet zu haben. Sie

wissen nicht, was es heißt, Entbehrungen in Kauf nehmen zu müssen, damit man da hinkommt, wo

man hinwill. Kurz: Sie wissen nicht, was es heißt, zu kämpfen.

Deswegen ist Talent zwar hilfreich, aber nicht sonderlich wichtig für Erfolg.

Wie geht man aber mit Talent richtig um?

Man muss Talent wie einen guten Freund sehen, der schon noch kommt und da ist, wenn man ihn

braucht, ohne ihn ausdrücklich rufen zu müssen. Doch man sollte nicht komplett auf ihn

angewiesen sein und von ihm abhängig werden.

Auf die Gefahr hin, dass das jetzt wie ein abgedroschenes Klischee klingt…

Aber irgendein Talent hat jeder. Genauso wie jeder mindestens einen guten Freund hat, auf den man

sich verlassen kann. Es ist traurig, dass die wenigsten ihr persönliches Talent entdecken geschweige

denn nutzen (Das hat im Übrigen viel mit sozialem Druck zu tun, auf Nummer sicher zu gehen und

doch den 0815 Weg von Ausbildung, Arbeit, Haus und Garten zu nehmen). Allerdings ist die

einzige Währung auf die man sich im Leben verlassen kann, das Vertrauen in die immense Wucht

der eigenen Willenskraft.

Sie kann Berge versetzen und den Menschen zu Unglaublichem bewegen. Wenn man lernt,

Motivation aus sich selbst zu schöpfen, Fehler als Korrektiv zu sehen und vor allem positiv zu

denken, kommt deine Begabung automatisch zur Geltung.

Diese Dinge kann man alle üben und trainieren. Und das ist ja das Schöne dran.

Denn die meisten Menschen verbringen ihr Leben in der Ohnmacht, fremdbestimmt zu sein und

wenig bis gar nichts beeinflussen zu können. Doch genau das ist eine der wenigen positiven Folgen des radikal deregulierten, freien Marktes:

Wir MÜSSEN selbstbestimmt handeln. Sonst tun das andere…. und machen verdammt viel kaputt.

Tritt deine persönliche Reise an und du kannst dich drauf verlassen: dein Talent ist dein Freund und

Helfer. Der kommt sowieso mit. Aber gehen musst du schon selber.

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